CawiNo -
1. Café
wider die
Normalität:
Lesung von
Leonhard
Seidl:
Mutterkorn
10.03.2012 (19:30)
CawiNo - 1. Café wider die Normalität
Neonazis und der Verfassungsschutz in einem Roman
-
Romanvorstellung von Leonhard Seidl
Plötzlich ist der Roman Mutterkorn von Leonhard F. Seidl schockierend aktuell. Durch die Morde des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) und die Verstrickungen mit dem Verfassungsschutz wurde das Debüt des Nürnberger Autors von den aktuellen Ereignissen eingeholt. Darin beschreibt Seidl wie ein Neonazi ein Attentat auf die Grundsteinlegung eines jüdischen Zentrums plant. Und bleibt damit dicht an der Realität: 2003 wollte die neonazistische Kameradschaft Süd in München eine Bombe zünden. Außerdem arbeitet der rechte Attentäter in Mutterkorn als V-Mann für den Verfassungsschutz, heimst zehntausende von Euro ein und gibt nur Preis, was seinen Kameraden nicht schadet oder sogar nützt; finanziert vom Steuerzahler.
Mutterkorn ist auch ein Stück deutscher Neonazi-Geschichte: Die Brandanschläge von Mölln und Solingen wie auch die ausländerfeindlichen pogromartigen Gewalttaten von Rostock-Lichtenhagen haben darin Eingang gefunden. Dass diese Ereignisse sich nicht nur in vermeintlich weiter Ferne abspielen zeigen die Morde an Shlomo Lewin und Frida Poeschke, die am 19.12.1980 in Erlangen von einem Mitglied der rechten paramilitärischen "Wehrsportgruppe Hoffmann" ermordet wurden.
Beginnen wird die Buchvorstellung um 19:30,
im Anschluss wird es bei einem Buffet der VefA sowohl Raum für Diskussionen als auch Informationen zur regionalen Neonaziszene geben.
Gleichzeitig bildet die Buchvorstellung den Auftakt zur Veranstaltungsreihe CawiNo, die immer am 2. Samstag im Monat auf politische und gesellschaftlich Normalitäten eingehen wird.
Themen sind unter anderem:
- Der Untergang: Wie ein Film "wirklich authentisch" sein kann und wie er exemplarisch für den deutschen Umgang mit der Vergangenheit stehen kann.
- Ritual in den Tod: (Buchvorstellung) Stephan Peters beschreibt in seinem Kriminalroman einen Mordfall in verbindungsstudentischer Normalität und gewährt dabei viele Einblicke in die kruden Vorstellungen und männerbündischen Rituale von Korporationen.
